Herzliches Willkommen, eine „Challenge Coin“ und viel Applaus

Dekanin Dr. Verena Schlarb wurde in der CityKirche in einem feierlichen Gottes-dienst von der badischen Landesbischöfin in ihren Dienst eingeführt

Dekanin Dr. Verena Schlarb beim Einführungsgottesdienst
(19.10.2026, Mannheim) In der vollbesetzten CityKirche Konkordien wurde Dekanin Dr. Verena Schlarb am 15. Oktober in ihren Dienst eingeführt. Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart überreichte ihr die Urkunde und betonte in ihrer Ansprache, dass Mut und Demut in einem Leitungsamt zusammengehören. Oberbürgermeister Christian Specht sowie Pfarrer Lukas Glocker von der Katholischen Kirche Mannheim sprachen ein Grußwort. Als Geschenke überreichten sie eine Challenge Coin bzw. ein die Konfessionen verbindendes Holzkreuz.
 
Die promovierte Theologin hat am 1. September 2026 ihren Dienst als erste Frau im Dekansamt der Evangelischen Kirche Mannheim angetreten. Rückenwind hatte Verena Schlarb bereits bei ihrer Wahl erhalten, als die Synodalen sich ohne Gegenstimme für sie aussprachen. Nun waren an ihrem Einführungstag die vielen Gäste und die ihr entgegengebrachte Wertschätzung eine weitere Stärkung. Mehr als 500 Vertreter:innen aus Kirche und Stadtgesellschaft sowie Gäste aus nah und fern füllten die Kirche bis auf den letzten Platz. Nach der Überreichung der Urkunde an die neue Dekanin war die Kirche von lautem Applaus erfüllt. 

Kirche ist für alle da

In einer „so bunten und vielfältigen Stadt wie Mannheim“, sagte Landesbischöfin Springhart in ihrer Ansprache, habe es eine Dekanin gut: „mit den Regionen und Kirchtürmen, mit einer starken Diakonie, herrlicher und vielfältiger Kirchenmusik und Jugendarbeit, mit vielfältigen und vielseitigen Frömmigkeitsstilen und mit einem Miteinander der verschiedenen Religionen in der Stadt.“ Als Dekanin werde Verena Schlarb „viel mit Strukturfragen zu tun haben, damit, wie Abläufe runder laufen, wie Kirche sich frisch und attraktiv zeigt, wie Gemeinden und die Menschen in den Kooperationsräumen gut im Blick sind - und wie die Menschen in Mannheim erleben, dass Kirche da ist – für alle“. In der Interimszeit nach dem Weggang ihres Vorgängers Ralph Hartmann hatten Synodenvorsitzender Ralf Daum, Dekanstellvertreterin Anne Ressel und Schuldekan Andreas Weisbrod das Steuerrad in der Hand gehabt, sagte die Landesbischöfin mit Dank an das Dekanatsteam, mit dem die neue Dekanin zukünftig zusammenarbeiten wird.
Dekanin Dr. Verena Schlarb beim Predigen

Den weiten Raum zum Brückenbauen nutzen

In ihrer Predigt zum Psalm „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ verband Dekanin Dr. Verena Schlarb vielfältige Facetten von Räumen mit den Lebenssituationen der Menschen und lotete aus, wie sich Netzwerke bilden und Menschen sich als Brückenbauer einbringen können. „Wir leben in einer unsicheren Zeit. Aber nicht allein, sondern alle gemeinsam.“ Jeder brächte seine Perspektiven, seine Energie und sein Können mit. Grenzen überschreiten, sich für andere zu öffnen, in Interaktion zu gehen – dazu lud Dekanin Schlarb die Gottesdienstgemeinde in ihrer Predigt ganz praktisch ein: Nämlich zwei Minuten lang eine Person in der Sitzreihe davor oder dahinter zu befragen, was diese gut könne. Nach einem sehr kurzen, überraschten Innehalten war die Kirche sogleich von Gesprächen erfüllt. Menschen, so Schlarb, könnten sich verbinden, zum Netzwerk werden und Brücken bauen. „Dann stehen wir nicht vereinzelt und verloren im weiten Raum. Dann begegnen wir uns und strengen uns gemeinsam für etwas an.“ Sie selbst, sagte Schlarb zu Beginn ihrer Predigt, möge den weiten Raum. „Er macht neugierig und weckt meinen Entdeckergeist“.

Resonanzräume für Fragen des Lebens und des Glaubens

Als Dekanin wolle sie, dass Kirche vor allem die Menschen in den Räumen Mannheims gut im Blick habe. „Unser Ureigenstes sind Resonanzräume für Fragen des Lebens und des Glaubens: in Gottesdienst und Seelsorge – in Kirchenmusik und Bildung. Die Resonanzen sind wichtig. Sie hängen nicht davon ab, ob jemand etwas konsumiert oder ob er leistungsbereit ist: Sie meinen den ganzen Menschen, wie er nun einmal ist.“
 
Sie wolle, führte sie aus, “dass wir als Kirche für die Menschen da sind, auch und vor allem für die, die jemanden brauchen, zum Zuhören oder als Lebenshilfe. Was für ein Geschenk, dass dieser weite Raum hier, die Konkordienkirche, im Winter für vier Wochen zur Vesperkirche wird. Wie gut, dass sich unsere Diakonie an so vielen Stellen der Stadt für die Menschen engagiert“.
 
Ihr Blick gälte auch all denen, die sich engagieren: „Was brauchen diejenigen für sich selbst, die kirchliche Resonanzräume hüten oder Brücken bauen? Wo finden sie zu ihrer Stärke? Was gibt ihnen, was gibt uns Kraft?“ sagte Dekanin Schlarb mit Blick auf die tragende Kraft Gottes.

Eine „Challenge Coin“ und ein Kreuz als Geschenke

Den Geist Gottes und das Vorbild Jesus Christus benannte Synodenvorsitzender Prof. Dr. Ralf Daum nach der Begrüßung der Festgemeinde in seiner Ansprache. An die neue Dekanin wandte er sich mit den Worten: „Wir freuen uns sehr, dass Sie zu uns gekommen sind.“.
In den beiden Grußworten, zu denen Daum überleitete, wurde das Miteinander in Mannheim betont. Oberbürgermeister Specht hob die Bedeutung der Kirchen als Orte der Begegnung hervor. Gemeinsames Ziel sei es, die Menschenwürde zu schützen und den Zusammenhalt in Mannheim zu stärken. Als Geschenk überreichte er der Dekanin eine der letzten „Challenge Coin“, die für die persönliche Verbundenheit stehe. Er sei zuversichtlich, schmunzelte Christian Specht, „dass Sie die Challenge Mannheim gut nehmen werden.“ 
 
Für die Katholische Kirche Mannheim und im Namen des Forums der Religionen und der ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) überbrachte Pfarrer Lukas Glocker „herzliche Glückwünsche zu dieser wunderbaren Dekanin. Wir sind da schon ein bisschen neidisch“. Als symbolisches Geschenk überreichte er ein Kreuz, das aus einem zerbrochenen Pilgerstab geschaffen war.
 
Wie weit der Raum auch der Musik war, hatte der Gottesdienst, zu dem die stellvertretende Synodenvorsitzende Petra Herr die Gäste begrüßt hatte, erlebbar gemacht: Musikalisch war er gestaltet von der Konkordien-Kantorei unter Leitung von Heike Kiefner Jesatko, KMD Prof. Johannes Michel an der Orgel, Bläser:innen aus dem Bezirk Mannheim/Bergstraße unter Leitung von Sonja Nemet sowie Dieter Scheithe & Ensemble. Nach dem vom Kirchentag bekannten Lied „Mutig. Stark. Beherzt“ ging der Abend in einen Empfang mit viel Austausch und Begegnungen über. Am Gottesdienst hatten gemeinsam mit dem Stadtkirchenrat stellvertretend für die unterschiedlichen Mitglieder zwei Vertreter des FORUM DER RELIGIONEN mitgewirkt: Majid Khoshlessan von der jüdischen Gemeinde, Khalil Khalil vom Arbeitskreis Islamischer Gemeinden und Lukas Glocker von der Katholischen Kirche Mannheim verdeutlichten das Miteinander der Religionen in Mannheim. Die Kollekte kommt der Telefonseelsorge Rhein-Neckar zugute, die in diesem Jahr ihr 65-jähriges Jubiläum feiert. Foto: ekma/Andreas Henn (dV)