(10.09.2024, Mannheim) In festlichem Rahmen wird am Donnerstag, 19. September, um 19 Uhr in der Christuskirche das neue Zeitzeugenbuch von Herausgeberin Dr. Brigitte Hohlfeld präsentiert. Es schildert Migrationsgeschichten von 79 Mannheimer:innen mit Migrationshintergrund und auch von 16 deutschen Helfer:innen. Nach einer Einführung und den Grußworten von Oberbürgermeister Christian Specht und Dekan Ralph Hartmann werden einige Mitwirkende Auszüge aus dem Buch vorlesen. Der musikalisch begleitete Abend klingt anschließend auf dem Vorplatz der Christuskirche aus.
„Mir ist es ein großes Anliegen, in einer Zeit, in der das Thema Migration oft negativ besetzt ist, auf die Bereicherung durch die Menschen mit Migrationshintergrund und ihre Identifikation mit unserem Land hinzuweisen,“ sagt Dr. Brigitte Hohlfeld. Mit „Weggegangen. Angekommen“ möchte sie nicht nur deren Anstrengungen und die ihrer Eltern und Großeltern in Erinnerung rufen, sondern auch die Herkunftsländer in den Blick nehmen, über die die meisten Deutschen kaum etwas wissen, so die Herausgeberin. Die Ältestenkreisvorsitzende der ChristusFriedenGemeinde legt mit dieser Publikation ihre bereits vierte Zeitzeugensammlung im Verlag Waldkirch vor. Nach den drei Büchern zu den Zeitphasen 1933 bis 1945 sowie der unmittelbaren Nachkriegszeit hat sie sich nun dem Thema Migrationsgeschichte gewidmet, das seit der Gründung Mannheims so eng mit dieser Stadt verbunden ist.
Eine Art Oral History
Die Geschichten, die die Befragten Brigitte Hohlfeld erzählten, hat diese bis auf wenige Ausnahmen anschließend verschriftlicht. Dadurch, so die Herausgeberin, fühle sie sich den Erzählenden zusätzlich stark verbunden. Die Menschen, die ihr ihre Geschichten anvertrauten, sind zwischen 22 und 94 Jahren alt. Viele der Jüngeren kannte sie bereits aus anderem Zusammenhang: Als ehemaligen Lehrerin der Johannes-Kepler-Schule und Rektorin der Tulla-Realschule (bis 2006) begegnete Brigitte Hohlfeld in der Stadt immer wieder ehemaligen Schüler:innen und lud sie zum Mitwirken an dieser Publikation ein.
79 Berichte aus 32 Ländern – von Norwegen bis China
Heute haben fast die Hälfte der Mannheimer:innen einen Migrationshintergrund. Mit 79 von ihnen ist Brigitte Hohlfeld ins Gespräch gekommen und hat deren eigene Migrationsgeschichte oder die der Eltern und Großeltern gesammelt. Zu Wort kommen bekannte und weniger bekannte Menschen aus Mannheim, die alle einen engen Bezug zur Quadratestadt haben. Viele von ihnen leben hier bereits in zweiter oder dritter Generation. Sie stammen aus 32 Ländern – Norwegen ist das westlichste und China das östlichste. Der Zeitraum, der in den Erzählungen beleuchtet wird, reicht von den „Gastarbeitern“ Mitte der 1950er Jahre bis heute. So verbindet sich mit der historischen Perspektive auch eine aktuell politische. Denn auch Menschen, die 2015/2016 oder vor den gegenwärtigen Kriegen hierher flohen, kommen zu Wort. Ergänzend berichten deutsche Helferinnen und Helfer, die sich als Lehrkräfte, als Flüchtlingsberater:innen und -betreuer:innen einbrachten oder als Betriebsinhaber:innen junge Migrant:innen bei sich einstellten. „All das ist in Mannheim nichts Neues“, sagt Herausgeberin Brigitte Hohlfeld, „denn seit der Gründung 1607 war die Stadt wirtschaftlich und kulturell auf Zugezogene aus dem Ausland angewiesen. Mannheim ist auch heute ohne Menschen mit Migrationsgeschichte nicht vorstellbar.“
Die Seele unserer Stadt und unseres Landes verstehen
„Zur Geschichte Mannheims gehören untrennbar die Geschichten der Zugezogenen. Dass ein Ankommen auch immer mit einem Weggehen verbunden ist und was das für die individuelle Lebensgeschichte und das Umfeld eines Menschen bedeutet, wird in dieser Publikation sehr deutlich“, sagt Oberbürgermeister Christian Specht im Vorfeld der Buchpräsentation. „Wir sind stolz auf die Historie und die Gegenwart Mannheims, zu der aktuell Menschen aus 168 Nationen dazugehören.“
„Geschichte will erzählt werden. Wenn Zeitzeugen ihr Leben erzählen, dann hilft uns das, die Seele unsere Stadt und unseres Landes zu verstehen“, sagt Dekan Ralph Hartmann. „So erzählt uns auch die Bibel von Gott und den Menschen, indem sie exemplarisch Geschichten vom Suchen und Finden, von Aufbrüchen und Ankommen, von Gelingen und Scheitern erzählt. Mitten in einer Zeit der Neuorientierungen und Identitätssuche ist auch der nunmehr vierte Band der Mannheimer Zeitzeugen-Reihe mit seinen Migrationsgeschichten ein wohltuender Beitrag zum Miteinander und Zusammenleben.“
Das Buch „Weggegangen. Angekommen“ mit der ISBN 978-3-86476-192-8 ist im Buchhandel erhältlich. Foto: de Vos (dv)
BU: Herausgeberin Brigitte Hohlfeld mit der Zeitzeugensammlung „Weggegangen. Angekommen“ vor der Christuskirche.

