Kirchenmasterplan: Mit Verantwortung und Vertrauen die Kirche für die Zukunft gestalten

- 09.05.2022 - 

Evangelische Kirche Mannheim kann nicht alle ihre 32 Kirchen erhalten. Synode hat nach intensiver Diskussion die Kategorisierung der Kirchengebäude be

Bild von der Stadtsynode Mai 2025
(09.05.2022, Mannheim) Auf ihrer öffentlichen Frühjahrstagung hat die Stadtsynode der
Evangelischen Kirche Mannheim Klarheit geschaffen über die Zukunft ihrer insgesamt 32
Kirchengebäude: Die Einteilung in die Kategorien A, B oder C besagen, ob weiterhin
Kirchensteuermittel in das Kirchengebäude investiert werden, zeigt Optionen für
ergänzende Finanzierung und benennt auch Umwidmung und Veräußerung. Mit dieser
Festlegung werden die sieben Regionen des Stadtkirchenbezirks nun Konzepte
entwickeln.

Kategorisierung der Kirchen erhält hohe Akzeptanz: 63 Ja-Stimmen, 2 Nein-

Stimmen, 6 Enthaltungen

Den Beschlussvorschlag, der den Synodalen vorlag, stellte Dekanstellvertreterin Anne
Ressel nochmals vor. Die zur Entscheidung gestellte Kategorisierung der Kirchengebäude
war seit März in jeder der sieben Regionen vorgestellt und dort intensiv diskutiert worden.
Die Synode behandelte nun noch drei Änderungsanträge. Der so konkretisierte Beschluss
wurde von den Synodalen mit überwältigender Mehrheit angenommen. Der
vorgeschlagenen Kategorisierung der 32 Kirchen stimmten von den 71 anwesenden
stimmberechtigten Synodenmitgliedern 63 mit ja zu, es gab sechs Enthaltungen und zwei
Nein-Stimmen.
 
Da der Kirchenmasterplan das bestimmende Thema der auf zwei Tage anberaumten
Frühjahrssynode war, konnte der zweite Sitzungstag am Samstag entfallen.
„Wir haben mit unseren Beschlüssen in der Stadtsynode Verantwortung und Vertrauen
bewiesen“, sagt Dekan Ralph Hartmann. „Wir stellen uns den Herausforderungen der Zeit
und des gesellschaftlichen Wandels. Das bedeutet mehr Konzentration unserer Arbeit und
sicherlich auch einen schmerzhaften Abschied von liebgewonnen Orten. Aber wir gehen
auch entschlossen und mit Mut und Vertrauen in die Zukunft.“

Kategorie A: 12 Kirchen, Kategorie B: 7 Kirchen, Kategorie C: 13 Kirchen

Als Ergebnis eines intensiven zweijährigen Diskussionsprozesses, bei dem von den
Ältestenkreisen der Gemeinden bis zur Stadtsynode alle Entscheidungsgremien der
Evangelischen Kirche Mannheim demokratisch eingebunden waren, hat die Synode am 6.
Mai die Kategorisierung ihrer 32 Kirchen beschlossen. Dazu hatte zuvor eine
Steuerungsgruppe im Auftrag der Stadtsynode Kriterien entwickelt für die drei Kategorien

A (Finanzierung durch Kirchensteuermittel), B (lediglich Reparaturen aus dem „kleinen Bauunterhalt“) und C (keine Kirchensteuermittel mehr)

In der Aussprache und Diskussion war die Sorge der Synodalen vor allem um die Zukunft
der „C-Kirchen“ spürbar. Gegenüber dem vorgelegten Beschlussvorschlag wurden
Begleitbeschlüsse zu ergänzenden Finanzierungsmöglichkeiten und zur Mitwirkung der
Gemeinden vor Ort gefasst.
 
Die Synodalen haben beschlossen, dass 12 Kirchen der Kategorie A zugeordnet sind, 7
Kirchen der Kategorie B und 13 Kirchen der Kategorie C. Gerade mit Blick auf die C-Kirchen
betont der Beschluss, dass diese Kirchen je nach Gebäudezustand durchaus
noch über mehrere Jahre hinweg für kirchliche Zwecke genutzt werden können und dass
Drittmittel für die Sanierung und für den laufenden Bauunterhalt eingeworben werden
können. Jede der sieben Regionen trägt mit mindestens einer C-Kirche zum
Reduktionsprozess bei.
 
A-Kirchen: Christuskirche und Konkordienkirche (Region Mitte), Auferstehungskirche
(Region Waldhof-Gartenstadt), Erlöserkirche und Versöhnungskirche (Region Süd),
Dreifaltigkeitskirche (Region Nord), Johanniskirche und Matthäuskirche (Region Almenhof,
Lindenhof, Neckarau), Johanneskirche und Petruskirche; Philippuskirche und
Unionskirche wird noch entschieden, welche der beiden A und welche C wird (Region
Ost), Standort Melanchthon (Region Neckarstadt),
 
B-Kirchen: Friedenskirche (Region Mitte), Gnadenkirche (Region Waldhof-Gartenstadt),
Johannes-Calvin-Kirche und Pfingstbergkirche (Region Süd), Emmauskirche (Region
Nord), Markuskirche (Region Almenhof, Lindenhof, Neckarau), Vogelstang (Region Ost),
Paul-Gerhardt bis Neubau an Melanchthon B, dann C (Region Neckarstadt)
 
C-Kirchen: Hafenkirche (Region Mitte), Gethsemane und Pauluskirche (Region Waldhof-
Gartenstadt), Martinskirche (Region Süd), Jonakirche (Region Nord), Lukaskirche (Region
Almenhof, Lindenhof, Neckarau), Philippus- oder Unionskirche (Region Ost), Lutherkirche,
nach Fertigstellung des Neubaus an Melanchthon auch Paul-Gerhardt-Kirche (Region
Neckarstadt), Thomaskirche, Epiphaniaskirche, Trinitatiskirche, Jakobuskirche
(Stadtkirchenbezirk Mannheim)

Wortlaut des Synodenbeschlusses zur Bedeutung der Kategorien A, B C

Kategorie A: Die den Regionen von der Stadtsynode zur Verfügung gestellten Budgets
dienen den A-Kirchen plus Maßnahmen an Gemeindehäusern und Pfarrhäusern. Schon
dafür wird das Geld kaum ausreichen.
 
Kategorie B: Für die B-Kirchen wird der sogenannte „kleine Bauunterhalt“ bezahlt (aus
dem Budget der Region). Daneben ist es möglich (und wünschenswert) Drittmittel
(Spenden, Kooperationspartner) zu akquirieren. Auch die Verwendung von Rücklagen der
Gemeinden oder die Generierung von zusätzlichen Einnahmen durch Verpachtung,
Verkauf von Eigentum kommt in Betracht, denn diese bleiben zu 100% in der Region.
 
In die C-Kirchen fließen keine Kirchensteuermittel mehr. Vielmehr sollen
Umwidmungen und Veräußerungen geplant werden. Dazu wird es auch Gespräche mit
der öffentlichen Hand und der Denkmalpflege geben müssen. Je nach Zustand der
Gebäude ist eine Nutzung über mehrere Jahre hinweg für kirchliche Zwecke durchaus
möglich. Auch eine kurzfristige Abgabe ist möglich (sofern diese zu realisieren sein würde.
Ebenso können Drittmittel (Spenden, Kooperationspartner) für die Sanierung und den
laufenden Bauunterhalt akquiriert werden.
 
In den Prozessen zu den B- und C-Kirchen arbeiten die Evangelische Kirchenverwaltung
und die betroffenen Regionen eng zusammen, um einvernehmliche Lösungen zu finden.
Sollte keine Einigung erzielt werden, wird die Entscheidung vom Stadtkirchenrat getroffen.
„Wir müssen ehrlich miteinander sein“.

Ein zukunftsstarker und schmerzhafter Prozess

„Wir müssen ehrlich zueinander sein und es muss ausgesprochen werden“, betonte
Dekan Ralph Hartmann. „Wir werden in zehn oder 15 Jahren nicht mehr die 32 Kirchen
von heute haben. So sehr das auch weh tut.“ Wenn große Veränderungen anstünden,
gelte es die Realität anzuerkennen und auf das Gute zu vertrauen. „Es ist unsere Aufgabe
als Christ:innen, dass wir diese Zeitenwende annehmen und dass wir Kraft und Zuversicht
aus unserem Glauben an die Gegenwart Gottes haben und dass wir nicht die Nerven
verlieren.“
 
Es sei gut, sagte Synodenvorsitzender Prof. Dr. Ralf Daum, dass Mannheim mit diesem
Kirchenmasterplan schon so weit sei. Denn dieser erfülle weitgehend die Vorgaben, die
kürzlich die badische Landessynode für die Reduzierung der Gebäude beschlossen und
vorgegeben habe.

„Die Segel setzen“

„Was heute beschlossen wird, muss nicht morgen umgesetzt werden. Doch es muss auf
den Weg gebracht werden“, hatte Dekanstellvertreterin Anne Ressel vor der Abstimmung
gesagt. Mit der Entscheidung, welcher Kategorie die Kirchen jeweils zugeordnet werden,
„haben die Regionen Zeit, ein Konzept zu entwickeln“.
 
Zum weiteren Vorgehen erläutert Dekan Ralph Hartmann: „Die Stadtsynode hat mit ihrem
Beschluss den Kurs für die Zukunft vorgegeben. Nun gilt es, die ‚Segel zu setzen‘ und die
Beschlüsse über die Gebäude in Konzeptionen der kirchlichen Arbeit vor Ort umzusetzen.
Wir werden unsere Kirchliche Arbeit zukünftig konzentrieren – darin besteht die Chance
des Prozesses.“
 
BU: Hohe Akzeptanz: Die Synodalen stimmten mit überwältigender Mehrheit der
vorgeschlagenen Kategorisierung der insgesamt 32 Kirchen in den sieben Regionen des
Stadtkirchenbezirks Mannheim zu. Foto: de Vos