Stadtsynode – Strukturwandel und Achtsamkeit

Synodale berieten auf ihrer Frühjahrstagung über bezirkliche Veränderungen ab Januar 2026 und positionieren sich zum Thema sexualisierte Gewalt

Bild von der Frühjahrssynode 2025
(28.05.2025, Mannheim) Auf ihrer eintägigen Frühjahrssitzung am 16. Mai unter Vorsitz von Prof. Dr. Ralf Daum betrachteten die Synodalen erneut die Rahmenbedingungen der künftigen Struktur des Stadtkirchenbezirks. Insbesondere über die Verwendungen der Gemeinderücklagen wurde intensiv diskutiert. 
 
Wenn sich die bisher 19 evangelischen Pfarrgemeinden zum 1. Januar 2026 innerhalb ihrer aktuellen Kooperationsregionen zu sieben Pfarrgemeinden zusammenschließen, beinhaltet die gemeinsame Verantwortung auch finanzielle Aspekte. „Beim Geld fängt die Fusion bei uns erst richtig an“, führte die stellvertretende Synodenvorsitzende Pfarrerin Miriam Waldmann in die Diskussion ein. Denn die finanziellen Ressourcen der fusionierenden Gemeinden sind durchaus unterschiedlich. Michaela Pötschke, Leiterin der Finanzabteilung und stellvertretende Verwaltungsdirektorin, erläuterte, wie künftig mit den freien und zweckgebundenen Rücklagen verfahren werden solle und welches Gremium über deren Verwendung entscheiden werde. Das Stimmungsbild und die Anregungen der Synodalen fließen ein in die weiteren Beratungen und Beschlüsse.

Geordnete Freiräume: „Wir sind auf der Zielgerade“

Alle Kirchenbezirke der badischen Landeskirche organisieren sich derzeit neu. Für die fünf Stadtkirchenbezirke, von denen Mannheim einer ist, erlässt die Landeskirche jeweils angepasste Rechtsverordnungen. Diese sind Erprobungsräume für das neu strukturierte Miteinander. „Wir sind auf der Zielgerade“, betonte Dekan Ralph Hartmann, als er die drei maßgeblichen Ebenen darstellte: So regelt die Landeskirche die Rahmenbedingungen für die Grundstruktur des Bezirks. Eine Geschäftsordnung strukturiert auf der Ebene des Stadtkirchenbezirks ebenso wie auf der Ebene der neuen Pfarrgemeinden. Die Organisation des Stadtkirchenbezirks in künftig sieben Pfarrgemeinden mit strategischen Schwerpunktsetzungen sowie Themen- und Ortsteams ist bereits beschlossen. Die angestrebte verstärkte Arbeit in Netzwerken geht auch über die gesetzten Schwerpunkte „Kinder und Familie“, „Konfirmation und Jugend“ und „Gemeinwesen und Diakonie“ hinaus. 

Größe der Stadtsynode: künftig kleiner, unverändert überwiegend ehrenamtlich

Die Stadtsynode mit ihren derzeit mehr als 100 Mitgliedern wird künftig kleiner sein und dann rund 50 Mitglieder umfassen. Unverändert werden in ihr mehr ehrenamtliche als hauptamtliche Vertreter:innen sein. Neu wird sein, dass die Hauptamtlichen nicht mehr Kraft ihres Amtes Mitglied der Synode sind, sondern sich die Anzahl der Synodalen aus der Größe der Pfarrgemeinde ergibt. So entsenden Gemeinden ab 5.000 Gemeindemitgliedern 5 Synodale und 3 Stellvertreter, Gemeinden bis 5.000 Mitgliedern 3 Synodale und 2 Stellvertreter. Zusätzlich können durch den Stadtkirchenrat aus den Bereichen Jugend, Seelsorge, Schule und Diakonie zusätzliche Mitglieder berufen werden.

Sexualisierte Gewalt: „Es geht nicht um ein Schutzkonzept im Regal“

Dekanstellvertreterin Anne Ressel, Schuldekan Andreas Weisbrod und Konfi-Beauftragte Ute Mickel brachten das Thema sexualisierte Gewalt ein. „Es gibt kaum ein Thema, bei dem die Frage nach der Würde des Menschen stärker angegriffen wird, als bei sexualisierter Gewalt“, betonte Schuldekan Weisbrod und führte aus, dass „ein Teil der Gewalt das Wegsehen und Schweigen“ sei. „Die Kultur des Vertuschens darf es nicht mehr geben“. Es sei Auftrag der Kirche, hier tätig zu werden. Dazu werden die schon lange etablierten Standards wie die „Alle-Achtung-Schulungen“, die Verpflichtungserklärungen und eingeforderten polizeilichen Führungszeugnisse erweitert um Gewaltschutzrichtlinien für alle kirchlichen Arbeitsbereiche. Diakonin Mickel führte aus, dass dies für alle Haupt- und Ehrenamtlichen in allen Kreisen und Gruppen durchgeführt und alle fünf Jahre aufgefrischt werde. Ziel aller Maßnahmen sei, für Betroffene da zu sein und stark in der Prävention zu werden.
 
Es gelte, ein Bewusstsein dafür zu schärfen, dass rein statistisch gesehen auch in der Kolleg:innenschaft ebenso wie in Gottesdiensten oder bei anderen Angeboten Betroffene von sexualisierter Gewalt seien. Sprache und Verhalten müssten dies berücksichtigen. „Es geht darum, uns alle auf den Weg als Lernende zu machen und das eigene Verhalten zu reflektieren“, betonte Dekanstellvertreterin Ressel. Kirche müsse ein sicherer Schutzraum sein und es müsse deutlich sein, dass es in kirchlichem Kontext eine achtsame Haltung und eine hohe Sensibilität für respektloses Verhalten gebe. Denn wenn Grenzverletzungen wahrgenommen werden und es eine Kultur der Sprachfähigkeit dafür gebe, so Anne Ressel, sei das aktiver Schutz.
 
Die nächste Sitzung der Stadtsynode im Haus der Evangelischen Kirche in Mannheim, M1, 1a, findet am 10./11. Oktober 2025 statt. Foto: de Vos (dv)