„Das Gute bewahren und sich öffnen für neue Formate“

- 10.10.2023 - 

Stadtsynode ist sich einig über künftige Struktur der Evangelischen Kirche Mannheim. Stimmungsbild mit dem Ergebnis: „richtig gut“

Bild von Synodenvorsitzenden Ralf Daum_ Frühjahr 2024
(10.10.2023, Mannheim) Die Herbstsynode war ganz der Gestaltung der Zukunft gewidmet. Seit der letzten Frühjahrssynode gab es dazu in mehreren Foren viel Austausch und Diskussion mit den Haupt- und den Ehrenamtlichen. Nun gaben die Synodalen zu dem erarbeiteten Strukturmodell ein Stimmungsbild ab, das mehrheitlich auf „richtig gut“ lautete. Damit ist die Umsetzung der Vorgaben, die die Badische Landeskirche im Rahmen des sogenannten „Transformationsprozesses Ekiba 2032“ für alle Kirchenbezirke benennt, in Mannheim einen wichtigen Schritt weiter. In Mannheim wird es künftig, beginnend ab 2026, große Regionalgemeinden geben, zu denen sich die Gemeinden in den derzeit sieben Kooperationsregionen zusammenschließen werden.
 
Der Stadtkirchenbezirk sei auf einem guten Weg, sagte Synodenvorsitzender Prof. Dr. Ralf Daum. Zugleich sei das Tempo „sportlich“, denn wie sich die Evangelische Kirche Mannheim strukturell für die Zukunft aufstelle, müsse der Landeskirche bereits zum Jahresende 2023 rückgemeldet werden. Es gelte, die Herausforderungen der Zeit zu gestalten. Das neue Strukturmodell, betonte seine Stellvertreterin Pfarrerin Miriam Waldmann von der Gnadengemeinde, bilde ab „wo wir stehen, was wir leisten können und wie wir die Menschen mitnehmen“. Es mache Neues möglich, fördere die Stärken und behalte die Pfarrer:innen und Diakon:innen als „Gesicht vor Ort“ bei.

Künftige Struktur fördert Regionalisierung, Themenorientierung und Vernetzung

Die künftige Struktur umfasst unverändert die drei Ebenen Stadtkirche, Regionen und Präsenz vor Ort. Die Gemeinden der derzeit sieben Kooperationsregionen schließen sich zu Regionalgemeinden zusammen. Dadurch werden die Kooperationsregionen kirchenrechtlich zu Pfarrgemeinden, die von einem Ältestenkreis geleitet werden. Die hauptamtlichen Pfarrer:innen, Diakon:innen und Kantor:innen arbeiten in Teams zusammen. Diese Dienstgruppen fördern arbeitsteilige Formen der Gemeindearbeit und themenorientierte Spezialisierungen. Bei der inhaltlichen Gemeindearbeit bringen sich Ehrenamtliche für ihre Herzensthemen in Gemeindeteams ein. Dafür erhalten sie vom Ältestenkreis den Auftrag, ein Budget und vor allem Gestaltungskompetenz. Vernetztes Planen und Arbeiten wird auf allen Ebenen dieses neuen Weges wichtig sein, machte Daum deutlich. Diese geplante Struktur biete die Leitplanken, doch brauche es auch „Lernkurven“.

Angebote vor Ort und drei stadtweite Themenschwerpunkte

„Seelsorgliche Begleitung und Gottesdienste, begleitete Lebensstationen wie Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung finden ebenso wie Religionsunterricht oder beispielsweise die Themenfelder Frieden und Klima weiterhin vor Ort in den Gemeinden und Stadtteilen statt“, betonte Dekan Ralph Hartmann. Ergänzend dazu bilden sich Dienstgruppen in einer Netzwerkstruktur, die stadtweit drei Schwerpunkten gestalten werden. Diese werden in allen Regionalgemeinden ausreichend Ressourcen erhalten, wie Dekan Hartmann erläuterte: Gestärkt werden solle die Konfi-Arbeit, wo sich mit den Angeboten Konfi-Kompakt, der KonfiNacht und vor allem den übergemeindlichen Konfi-Gruppen schon viel entwickelt habe. Hier würden die Bereiche Evangelisches Kinder- und Jugendwerk (EKJM), Young Urbans mit der „Ankerstelle“ und die Junge Diakonie sowie die Kirchenmusik und die Regionen zusammenwirken. Ein zweiter Schwerpunkt sind Kinder und Familien, für die sich Angebote vom EKJM und Diakonischen Werk bis hin zu Kita, Gemeindeleben und Kirchenmusik verbinden. Der dritte Schwerpunkt umfasst die kirchliche Gemeinwesenarbeit. Hier liegt das Augenmerk auf der Sorge um das Miteinander in den Stadtteilen und Quartieren. Gemeinsam mit dem Diakonischen Werk sollen vor Ort Initiativen und Projekte gefördert werden, die Armut und Einsamkeit begegnen und Angebote zur Selbsthilfe und Gemeinschaft bieten. Hier seien v.a. auch ältere Menschen im Blick. Mit diesen drei Schwerpunkten, so Hartmann, wolle man in die neue Struktur starten. Weitere Schwerpunkte werden hinzukommen.

Weniger Kirchenmitglieder, weniger Hauptamtliche, weniger Stellen

Perspektivisch werden dem Stadtkirchenbezirk Mannheim von der Landeskirche weniger Pfarr- und Diakonstellen zugewiesen: Im Jahr 2026 werden es 28 Pfarrstellen statt derzeit 32 Pfarrstellen sein. Für die nicht an die Ortsgemeinden gebundenen Stellen wurden den Synodalen Veränderungen vorgestellt wie beispielsweise der Wechsel der Schifferseelsorge zum Industriepfarramt des KDA (kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt). Ebenso soll perspektivisch eine Diakoniepfarrer:in mit einem Stellendeputat auch die Vesperkirche betreuen. Und für den Jahreswechsel 2024 soll mit Pfarrerin Nina Roller und Valentina Ingmanns vom derzeitigen Team „Kirche auf der BUGA“ eine Stelle für Innovative Formen von Kirche besetzt werden. Der vorgestellte Stellenplan, so Daum, werde auf die künftige Struktur des Stadtkirchenbezirks abgestimmt.
 
„Bei allen Herausforderungen, die wir haben, können wir gut in die Zukunft gehen“, fasste Synodenvorsitzender Daum zusammen. Das läge besonders an den intensiven, konstruktiv geführten Debatten und am „wertschätzenden Miteinander“.
 
Dekan Ralph Hartmann betonte, dass sich alle Kirchen in Deutschland den Gestaltungsmöglichkeiten mit weniger Finanzen, weniger Personal und weniger Gebäuden beschäftigen. Die Evangelische Kirche Mannheims nimmt bereits seit Jahren die sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die auch die rückläufigen Kirchensteuermittel mit sich bringen, in den Blick. Ziel ist, weiterhin wirkungsvoll Kirche in Mannheim zu sein und dafür gut mit Themen und Zielgruppen verbunden zu sein.
 
Die badische Landeskirche hatte 2022 beschlossen, dass sich alle Gemeinden in Baden zu „Kooperationsräumen“ zusammenschließen. Die neue Struktur und der damit verbundene Personalstellenplan und der Gebäudemasterplan gelten dann badenweit ab 2026. Nach den ersten Informationen in der Frühjahrssynode 2023 der Evangelischen Kirche Mannheim sowie den folgenden Diskussionsforen im Juli und September für die Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen hatte der Stadtkirchenrat mit den gewonnenen Erkenntnissen 
einen konkreten Vorschlag erarbeitet. Zu diesem gab die Stadtsynode nun in ihrer Herbstsitzung ein positives Stimmungsbild ab. 
Am 21. November 2023 wird gemäß der landeskirchlichen Vorgabe der Mannheimer Stadtkirchenrat über die dann ab 1. Januar 2026 geltende Struktur beschließen. Deren Umsetzung, betonte Synodenvorsitzender Daum, sei verbunden mit einer „Üb-Zeit“. Denn Ziel sei nicht, dass im Januar 2026 „alles fertig ist. Wir sind da in einem Prozess.“ Das Tempo und den Umfang der Veränderungen sowie das neue Strukturmodell der Regionalgemeinden jedenfalls fanden die anwesenden Synodalen „richtig gut“.
 
Auf der Synode informierte Michaela Pötschke, Leiterin der Finanzabteilung über die Planungen des Doppelhaushalts 2024/2025. Es werde bei rückläufigen Kirchensteuermitteln und steigenden Personalkosten „ein spannender Haushalt werden“. Bevor die Synode in ihrer Frühjahrstagung am 3. und 4. Mai 2024 abstimme, gäbe es noch viel Detailplanung.

Petra Herr als Landessynodale gewählt

Petra Herr, die sich 18 Jahre lang als Kirchenälteste in der Vogelstanggemeinde engagierte und 2. Stellvertretende Synodenvorsitzende ist, wurde mit großer Mehrheit in die badische Landessynode gewählt. Gemeinsam mit Synodenvorsitzendem Ralf Daum, der Theologin und Religionslehrerin Sabine Ningel und Dekan Ralph Hartmann bringt sie sich künftig in der Landessynode für die urbanen Belange des Stadtkirchenbezirks Mannheim ein. (dv)
 
BU: Synodenvorsitzender Prof. Dr. Ralf Daum freut sich über das positive Stimmungsbild für das künftige Strukturmodell: bei „richtig gut“ platzierten die meisten Synodalen ihren Punkt.  Foto: de Vos