Bericht von der Stadtsynode

Zweitägige Herbstsynode gestaltet die Zukunft

Bild von der Synode Herbst 2024
(18.10.2024, Mannheim) Die Synode der Evangelischen Kirche Mannheim hat bei ihrer zweitägigen Herbsttagung über neue Wege und Strukturen für den Transformationsprozess 2032 diskutiert. Zentrales Thema waren auch Maßnahmen zur Aufarbeitungsstudie ForuM zu sexualisierter Gewalt. 
 
Die Herbstsynode am 11./12. Oktober war ganz auf die Zukunft ausgerichtet. Im Rahmen der Andacht, mit der die Synode begann, führte Schuldekan Weisbrod Diakonin Ute Mickel und Pfarrerin Anne Ressel in ihren Dienst auf zwei neu für den gesamten Stadtkirchenbezirk geschaffene Vernetzungsstellen ein: Ute Mickel vernetzt seit 1. September 2024 als Konfi-Diakonin die Konfirmand:innen- und Jugendarbeit im Stadtkirchenbezirk. Und seit 1. Oktober 2024 ist Pfarrerin Anne Ressel zuständig für die Vernetzung von Gemeinwesen, Diakonie und Vesperkirche. Beide Stellen, betonte Weisbrod, „sind Ausdruck unserer Entschlossenheit, die Zukunft unserer Kirche zu gestalten und die Regionen auf Bezirksebene miteinander zu vernetzen. Damit gehen wir deutlich einen neuen Weg.“

Mit überwältigender Mehrheit gewählt: Bezirksdiakoniepfarrerin Anne Ressel

Nachdem Pfarrerin Dorothee Löhr das Amt der bezirklichen Diakoniepfarrerin zurückgegeben hat, stand eine Neubesetzung zur Wahl: Pfarrerin und Dekanstellvertreterin Anne Ressel ist von den Synodalen einstimmig zur Bezirksdiakoniepfarrerin gewählt worden. Dieses Amt, das Anne Ressel bereits 2006 bis 2017 inne hatte, verbindet sich mit ihrer neuen Vernetzungsstelle, auf die sie aus der Gemeinde- und Schifferseelsorgearbeit gewechselt ist. Als Bezirksdiakoniepfarrerin ist sie auch stimmberechtigtes Mitglied des Aufsichtsrats des Diakonischen Werks Mannheim und des Bezirksdiakonieausschusses.

ForuM-Studie – weitere Schritte  

Prägendes Thema des ersten Sitzungstages war ein Bericht zur im Januar 2024 publizierten bundesweiten Aufarbeitungsstudie ForuM zu sexualisierter Gewalt. Die Studie, so Schuldekan Weisbrod, sei „ein Weckruf für uns alle, ohne Ausflüchte den Blick auf die Betroffenen zu richten“ und Menschen zu schützen. „Wir müssen einsehen, dass die Kirche über Jahrzehnte nicht genug getan hat, um sexualisierte Gewalt zu verhindern“, so Weisbrod. Deshalb gelte es, begünstigende Strukturen zu identifizieren. Ziel sei, eine Kirche zu sein, die Schutz bietet. Deshalb wird in Mannheim das Thema Prävention weiterhin etabliert: Vor allem im Kita-Bereich wird seit vielen Jahren ein hochwertiges Schutzkonzept umgesetzt: Schulungen für alle Kita-Mitarbeitenden zu Grenzverletzungen und Machtmissbrauch gehören fest zu den Fortbildungen. Ergänzend zu den Schutzkonzepten, die für die unterschiedlichen Arbeitsbereiche entwickelt werden, bietet das Evangelische Kinder- und Jugendwerk regelmäßig die Schulung „Alle Achtung. Grenzen achten, vor sexualisierter Gewalt schützen“ auch für Jugendliche unter 16 Jahren an. Für den Kirchenbezirk befasst sich eine Arbeitsgruppe mit dem Thema sexualisierte Gewalt und insbesondere der Seelsorge in diesem Bereich. „Wir alle sind Ansprechpartner“, betonte Stadtjugendreferentin Rahel Römer bei der Diskussion, „wir müssen gut zuhören, damit wir nicht überhören, wenn wir etwas erzählt bekommen“. Dekanstellvertreterin Anne Ressel machte deutlich, wie bedeutsam eine Kultur der Grenzsetzung sei. „Es ist wichtig zu vermitteln, dass Grenzen zu setzen und beispielsweise laut NEIN zu sagen, etwas Gutes ist.“ Dies müsse gestärkt werden. 
 
Der Kirchenbezirk Mannheim arbeitet eng mit der Landeskirche Baden und der dortigen Stabsstelle ‚Schutz vor Sexualisierter Gewalt‘ zusammen. Deren Leiter Bernd Lange thematisierte in seinem Vortrag die Notwendigkeit, die „Idealgemeinschaft evangelische Kirche“ sowie Risikofaktoren genau zu betrachten. Schutz und Aufarbeitung seien fest miteinander verbunden. Das stetige Arbeiten an diesem Thema und an der Haltung sei erforderlich, die Mitwirkung von Betroffen werde stark gefördert. Dazu hat die badische Landeskirche eine Stabstelle mit fünf Mitarbeitenden geschaffen. Dorthin können sich Betroffene und auch Kirchenbezirke wenden (Kontakt: Bernd Lange, tel. 0721 / 9175-626, Mail: bernd.lange@ekiba.de). Gemeinsam gelte es, glaubwürdig zu sein. 
 
Dekan Ralph Hartmann kündigte für 18. November um 18 Uhr einen Gottesdienst in der Johanniskirche an, der von Betroffenvertreter:innen und Seelsorgenden gemeinsam vorbereitet wird. Eingeladen dazu sind Menschen aus der gesamten Stadtgesellschaft.

Transformationsprozess 2032

Hauptthema des zweiten Sitzungstages war der Transformationsprozess 2032. Dieser umfasst nicht nur die von der Synode bereits beschlossene Gebäudesituation, sondern auch Strukturen und Arbeitsweisen. 

Verwaltungsleitungen

Für die neu entstehenden Regionalgemeinden, in denen bis 2026 die evangelische Gemeindelandschaft Mannheims organisiert sein wird, werden für deren Verwaltung neue Strukturen vorbereitet: Verbunden mit einer deutlich stärkeren Digitalisierung von Arbeitsabläufen wird es perspektivisch regionale Verwaltungsleitungen geben. Ziel ist, die Pfarrer:innen von Verwaltungsaufgaben zu entlasten, die Kommunikation zu verbessern und Kompetenzen sinnvoll zu verlagern. Die Bündelung von Aufgaben, die Umverteilung von Ressourcen und das neu strukturierte zentrale und dezentrale Zusammenspiel ermöglichen die erforderliche Kostenersparnis von 30 Prozent in diesem Bereich. Basierend auf den positiven Erfahrungen der Neckarstadtgemeinde, die bereits seit mehreren Jahren eine zentrale Verwaltungsassistenz hat, wird derzeit das Konzept ‚regionale Verwaltungsleitung‘ entwickelt. Dieses wird dann in zwei weiteren Pilotgemeinden Mannheims eingeführt. 

Neue Gemeindestruktur

Ab 2026 ist, wie von der Synode bereits beschlossen, der Stadtkirchenbezirk in Regionalgemeinden organisiert, die sich an den derzeitigen sieben Kooperationsregionen orientieren. Die Ältestenkreise werden in der neuen Gemeindestruktur eine neue Rolle haben. Denn die inhaltliche Arbeit findet vor allem in den Themen- und in den Ortsteams statt, die eigene Beschlussbefugnisse haben. Die Ältestenkreise berufen die Mitglieder dieser Teams, kümmern sich um Steuerungsfragen, um Administratives und um die Gesamtkonzeption. 
Drei noch offene Fragen diskutierten die Synodalen in Kleingruppen, die Ergebnisse werden dann im Stadtkirchenrat vorgelegt: Die Zahl der zu wählenden Ältesten in den Regionalgemeinden, die Frage, ob Hauptamtliche qua Amt Mitglied im Ältestenkreis sein werden und ob die Kirchenwahl 2025 als gemeinsame Wahl oder als Teilortswahl stattfindet. Dekan Ralph Hartmann informierte über die schlanker und einfacher organisierte Kirchenwahl, bei der am 30. November 2025 in Gemeindewahlversammlungen die neuen Ältestenkreise gewählt werden. Über deren Ablauf entscheidet die Landessynode Ende Oktober 2024.
 
Verwaltungsdirektor Steffen Jooß berichtete, dass die Haushaltsführung 2021 bis 2022 der Evangelischen Kirche Mannheim vom Rechnungsprüfungsamt ohne Beanstandung bestätigt wurde. Jooß dankte der Leiterin der Finanzabteilung Michaela Pötschke und ihrem Team für die gute Arbeit. 
 
Die nächsten Tagungen der Stadtsynode finden am 16./17. Mai und am 10./11. Oktober 2025 im Haus der Evangelischen Kirche in M1 statt. Die Synode tagt öffentlich. (dv)