Mural-Künstlerin sorgt für permanenten „Frühling im Hafen“
Kita Hafenstraße: Mit ihrem Werk voller Vielfalt verbindet die Künstlerin Lada Chizhova den Stadtteil Jungbusch mit dem Leben in der evangelischen Kit
(23.06.2022) Kita-Eltern und Passant:innen konnten miterleben, wie sich in der Hafenstraße 34 eine unscheinbare Hausfassade mit ihrem leicht übersehbaren Eingang zur evangelischen Kita innerhalb einer Woche in einen Blickfang verwandelt. Denn auf Initiative von Kita-Leiterin Franziska Geschwind hat die in Mannheim lebende Mural-Künstlerin Lada Chizhova die Wandfläche in eine farbenfrohe Landschaft mit großen Blumen, segelnden Möwen und lustigen Regentropfen verwandelt.
Kita-Leiterin Geschwind war es wichtig, dass der Eingang zur Kita „endlich einladend“ aussieht und vor allem nicht mehr so leicht übersehen wird. Denn wem die Kita nicht vertraut ist, nahm bisher den schmalen Eingang an der dunklen und mit Graffiti besprühten Klinkerwand kaum wahr. Jetzt ist die Hausfassade ein ästhetischer Hingucker in der Hafenstraße: bewegt und ruhig zugleich, mit wenigen kräftigen Farben und markanten Formen wohltuend ruhig im bunten Stadtteil, in dem viele Familien mit wenig Geld auskommen müssen. So kommen Kinder und Eltern an einen Ort, der sie mit einer „schönen, bunten Umgebung“ begrüßt, sagt Kita-Leiterin Geschwind. Ästhetik verändert zwar keine Lebensverhältnisse, doch macht sie einen Unterschied.
Blumen mit Gesichtern, Regentropfen voller Neugierde
Große blaue Blumen mit freundlichen Gesichtern neigen sich den Betrachtern zu. Auch die dicken Regentropfen fallen mit fröhlich-neugierigem Blick vom Himmel, in dem Möwen ihre Kreise ziehen. All das nimmt Bezug auf den benachbarten Hafen – das war die Vorgabe für die künstlerische Gestaltung. Diese hat Lada Chihzova dann bewusst poetisch und so umgesetzt, dass die Motive die Fantasie der Kinder anregen: Blumen und Regentropfen sind als Charaktere angedeutet, die unterwegs sind in der Welt, deren Teil sie ganz selbstverständlich und mit Neugierde sind. Dass Blumen ein Gesicht haben, so die Erfahrung von Lada Chizhova, würde Kinder „überhaupt nicht erstaunen“. Vielmehr würden sie daraus „sofort eine Geschichte machen“. Das nehmen wohl auch die Eltern unmittelbar so wahr. Eine Rückmeldung während der Wandbemalung lautete: „Wie schön, das sieht wie ein Märchen aus.“
Kulturelle Vielfalt und bewusst reduzierte Farbpalette
Besonders die Blumen spiegeln die kulturelle Vielfalt des Stadtteils und des Kindergartens wider, so Chizhova. Als Künstlerin sei es ihr sehr wichtig, die gesellschaftliche Vielfalt darzustellen. Daher sind die Blumen groß und klein, mit und ohne Schnurrbart und haben Gesichter mit unterschiedlichen Farben.
Ganz bewusst habe sie darauf verzichtet, erzählt Lada Chizhova, die Fassade „übermäßig bunt zu gestalten.“ Die Palette beschränkt sich daher auf wenige Farben. Die dominierende Farbe Blau deutet auf die Nähe zum Wasser hin, die Hintergrundfarbe ist in einem warmen Gelbton gehalten. Diese Verbindung von Kalt und Warm erzeuge beim Betrachten eine angenehme Spannung, so Chizhova.
Große Sorgfalt im kleinen Format
Im Rahmen des Projekts STADT.WAND.KUNST hat Lada Chizhova im Stadtteil Franklin ein großes Mural gestaltet: In der Thomas-Jefferson-Straße 54 strahlt das Wandgemälde „Der Regen“ Zuversicht und Leichtigkeit aus. Ihre Technik dort unterscheide sich von der Arbeit an der Hausfassade der Kita, berichtet Chizhova. Denn dort sei jede gezogene Linie sozusagen auf Augenhöhe mit den Betrachtern.
An der Wandrundung des Kita-Eingangs heißt nun eine meterhohe Blume mit freundlichem Gesicht und winkenden Blättern alle großen und kleinen Menschen willkommen, die hier eintreten: Eine Bereicherung und Freude für die Kita und für alle, die die Hafenstraße entlangfahren oder dort vorbeilaufen. Fotos: de Vos (dv)




