Projekt „Gesundes Frühstück“ in Kita Hafenstraße
Jungbusch: Ernährungsbildung mit Freude. Wie zuckerfreier Brotaufstrich und selbstgemachte Butter zum Renner werden
(30.06.2026, Mannheim) Gesundes essen will gelernt sein – am besten schon im Kindesalter. In der Evangelischen Kita Hafenstraße im Stadtteil Jungbusch weckt das Projekt „Gesundes Frühstück“ Neugierde bei den Kindern und führt sie spielerisch an das Thema ausgewogene Ernährung sowie die Freude am gemeinsamen Essen heran. Der praxisnahe Ansatz verbindet Prävention und Teilhabe. Das Projekt wird in Kooperation mit der Jungen Diakonie umgesetzt.
Ernährungsgewohnheiten entstehen früh. Kinder lernen durch Beobachten, Ausprobieren und Mitmachen. Genau da setzt das Projekt „Gesundes Frühstück“ in der evangelischen Kita Hafenstraße an: Ein Mal pro Woche geht die Kindergruppe begleitet einkaufen und bereiten dann am nächsten Tag aus den Zutaten ein gesundes, kindgerechtes Frühstück für alle Kinder zu. Mit leckeren Obst-Sticks und Fruchtquark. Gurke schälen zählt inzwischen zu den Lieblingsbeschäftigungen. Zuckerfreie Brotaufstriche sind der Renner. Ebenso die selbst hergestellte Butter. So erleben die Kinder Selbstwirksamkeit, entwickeln Kompetenzen und lernen, was gesund ist und was nicht.
Der Blick in die Brotbox
Anlass war für Kita-Leiterin Franziska Geschwind, dass die Brotboxen vieler der insgesamt 45 Kinder oft mit Zuckerhaltigem und Fertigprodukten und wenig Obst und Abwechslungsreichem gefüllt waren. Da wollte sie mit ihrem Team und kreativen Ideen eine Veränderung bewirken: „Und das beginnt bei den Kindern“. Die Überlegungen, wie Kindern das Thema Ernährung vermittelt, wie ihre Neugierde für Neues geweckt, wie sie mit Spaß eingebunden und wie eine Nachhaltigkeit erreicht werden kann, mündeten im Projekt „Gesundes Frühstück“.
Frühstück als Beitrag zu Bildungsgerechtigkeit und Prävention
Das „Gesunde Frühstück“ vermittelt den Kindern Wissen über Ernährung und fördert zugleich ihre Feinmotorik und Selbständigkeit. Unabhängig von ihren Voraussetzungen können die Kinder das gemeinsame Frühstück planen, mit zubereiten und dann genießen. In der Gesamtheit erleben die Kinder, dass gesunde Ernährung Spaß machen kann. Gerade beim Zubereiten des Frühstücks sind sie mit Freude dabei. „Die Kinder sind stolz, dass ihnen hier Verantwortung übertragen wird. Sie sind hochkonzentriert dabei“, berichtet Hannah-Lena Roth von der Jungen Diakonie. Gurke schälen ist bei vielen besonders beliebt, die Kinder vertiefen sich gern in das Manuelle. Auch das Abwiegen der Zutaten für die Waffeln, Muffins und Knäckebrot geschieht mit viel Konzentration. Als Klassiker haben sich die Obst-Sticks und das Butterschütteln herauskristallisiert. Wenn sich aus flüssiger Sahne durch heftiges Schütteln feste Butter bildet, dann sei das für die Kinder „immer ein magischer Moment“, erzählt Hannah Roth.
Veränderungen brauchen ihre Zeit
Bis sich aus der Neugierde tatsächlich ein Ausprobieren von Ungewohntem wurde, habe es Zeit gebraucht, berichtet Kita-Leiterin Franziska Geshwind. Von Toastbrot ohne Zwischenstufe auf Vollkornbrot umsteigen, war ein zu großer Schritt. „Deshalb haben wir eine schrittweise Brotverkostung gemacht und die Kinder probieren lassen, wie sich die Brotsorten in Geschmack und Kruste unterscheiden“, berichtet Kita-Leiterin Geschwind. Auch der zuckerfreien Alternative zu Schokocreme standen die Kinder zunächst skeptisch gegenüber. Doch seit „einige Mutige“ die Mischung aus Datteln, Nüssen und Kakao probiert haben, ist das zum Lieblingsbrotaufstrich in der Kita geworden.
Damit die Lieblingsrezepte auch zu Hause ausprobiert werden können, stellt das Projekt-Team eine Broschüre zusammen, die die Kinder zum Ende des Kita-Jahres erhalten werden. Das Projekt wird im kommenden Kita-Jahr fortgesetzt.
Unterstützung durch Sarah Wiener Stiftung, Kinderhilfefonds und Diakonie Stiftung Mannheim
Ermöglicht wird das Projekt durch die finanzielle Unterstützung des Kinderhilfefonds und eine Spende der Diakonie Stiftung Mannheim in Höhe von 2.000 Euro sowie durch die Kooperation mit der Jungen Diakonie. Fachlich vorbereitet wurde das Team aus pädagogischen Fachkräften der Kita sowie zwei Mitarbeitenden der Jungen Diakonie durch das Schulungsprogramm „Ich kann kochen!“ der Sarah Wiener Stiftung. Diese hochwertige Fortbildung vor Ort lieferte wertvolle Impulse und praxisnahes Wissen. Insbesondere die Tipps, wie Kinder neugierig aufs Ausprobieren gemacht werden können, waren hilfreich. So entstand ein ganzheitlicher Ansatz, der Bildung, Gesundheit und Freude am gemeinsamen Tun verbindet. Die Kooperation mit der in der direkt benachbarten Hafenkirche verorteten Jungen Diakonie ermöglicht personell die Umsetzung des Projekts, das stets im Tandem von Kita-Fachkräften und Junger Diakonie erfolgt.
Träger Evangelische Kita: Ernährungsbildung und 30 Köch:innen in den Kitas
Ernährungsbildung findet täglich in den evangelischen Kitas statt: Viele Kitas haben Hoch- und Pflanzbeete, so dass das dort wachsende Gemüse und die Kräuter gemeinsam mit den Kindern gepflegt und verarbeitet werden kann. Zudem können Kinder in vielen Einrichtungen in Wunsch- und Motto-Wochen aus Vorschlägen ihre Lieblingsgerichte auswählen und sind so in die Erstellung des Speiseplans aktiv eingebunden. Teilhabe wird in einigen Kitas gefördert dadurch, dass am Geburtstag eines der Kita-Kinder gemeinsam und für alle Kinder Waffeln gebacken oder Obstsalat zubereitet werden.
In 30 der 39 Kitas in Mannheim sorgen Köch:innen und Hauswirtschaftskräfte für ein täglich frisch gekochtes Mittagessen sowie gesunde Snacks am Nachmittag. Die insgesamt 30 Fachleute kümmern sich mit Unterstützung von 16 Beiköchen und Spülhilfen um die abwechslungsreichen, ausgewogenen und bedarfsorientierten Mahlzeiten, die orientiert sind an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Fotos: de Vos (dv)




